Freitag, 31. Dezember 2010

2010-52: Tropfsteinhöhle am Bosnyák tér?

Weihnachten lag zwar arbeitgeberfreundlich am Wochenende, und diese Woche ist offiziell eine normale Arbeitswoche. Aber trotzdem hat sich nicht viel getan in den letzten Tagen, alle liegen noch träge herum mit dicken Weihnachtsbäuchen.

Das neue Mediengesetz hat letzte Woche riesige Wellen in Europa geschlagen, und auch diese Woche ist der Seegang noch ordentlich. Aber viel Neues gibt es hier nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass bei MTI viele Leute mit schlechten Fremdsprachenkenntnissen arbeiten. Wie sonst kann es sein, dass die Äußerungen von Merkel und die Aussagen zahlreicher anderer Politiker so fahrlässig falsch übersetzt wurden, seltsamerweise immer so, dass Orbán besser wegkam als im Original. Das kann ja eigentlich nur ein reiner Zufall sein. Aber trotzdem ärgerlich, diese Leute sollten sofort entlassen werden.

Das ist jetzt ja schließlich auch problemlos möglich, öffentliche Angestellte können ab dem 1. Januar ohne Nennung von Gründen mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten entlassen werden. Und streiken darf dagegen auch niemand. Denn auch das Streikrecht wird angepasst, und bevor eine Gewerkschaft in Streik treten darf, muss ersteinmal ausgehandelt werden, welche Dienstleistungen weiterhin aufrechterhalten werden sollen. Das gilt vor allem für den öffentlichen Nahverkehr, für Müllabfuhr, Gas- und Wasserwerke.

Zählen auch die Thermalbäder zu den Wasserwerken? Deren Dienstleistungen sind für die hygienewilligen Budapester besonders wichtig, sollte irgendwann die Wasserversorgung bestreikt werden. Aber die Thermalbäder in Budapest haben in 2010 ein Defizit von 700 Millionen Forint aus den städtischen Kassen gespült. Damit sind die Bäder so gut wie zahlungsunfähig, genau wie das städtische Bestattungsunternehmen oder die städtischen Abwasserbetriebe. Zum Glück ist es bei allen drei Gesellschaften undenkbar, dass sie bankrott gehen und ihre Aufgaben nicht mehr wahrgenommen werden.
Tarlós hatte ja bei der ebenfalls klammen BKV eine Fusion mit Volán und der MÁV angepeilt. Ich will mir lieber nicht vorstellen, was für Fusionspläne Tarlós für die neuen Problemfälle haben könnte. Thermalwasser, Abwasser...


Wasser hat bekanntlich erstaunliche Kräfte. Es formt zum Beispiel Tropfsteinhöhlen. Im Pilis wurde jetzt bestätigt, das zwei bereits bekannte Höhlen eigentlich eine zusammenhängende Höhle sind, und diese Höhle ist damit offiziell die drittlängste Höhle des Landes, mit einer Länge von 11,7 Kilometern. Das längste Höhlensystem liegt im Norden bei Aggtelek, die zweitlängste Höhle findet sich mit 19 Kilometern im Pálvölgy in Budapest.

Eine weitere lange Höhle, die allerdings von Menschenhand und nicht durch undichte Wasserleitungen geschaffen wurde, liegt übrigens sogar mitten in der Stadt. Sie trägt die Kurzbezeichnung M4, und ihre Tiefe ist bisher nicht bekannt. Vermutlich ist sie ein Loch ohne Boden. Die Bauarbeiten ziehen sich hin und sind teurer als geplant, und jetzt noch der langwierige gerichtliche Streit mit den französischen Waggonbauern... Aus diesem Grund wird die Metro 4 wohl auch kürzer werden als geplant, Endstation wird Keleti und nicht Bosnyák tér. Das hat für Touristen den Vorteil, dass es im U-Bahn-Netz nicht zwei Haltestellen mit dem gleichen Namen Dózsa György út geben wird.

Was ist sonst noch wichtig? Fitch hat Ungarns Kreditwürdigkeit abgestuft, und die Regierung reagiert mit den üblichen Reflexen. Die Opposition (haben wir soetwas?) in Form von MSZP und LMP dagegen hat sich zusammengerauft und will jetzt einen Schattenfinanzrat gründen, nachdem der bisherige Rat zur Bedeutungslosigkeit zusammengekürzt wurde. Ausländer dürfen weiterhin keine landwirtschaftlichen Flächen kaufen, und 57% der Bürger würden weiterhin Fidesz wählen. Naja, immerhin sind inzwischen weniger als 50% von der Idee einer neuen Verfassung begeistert. Das heisst allerdings nicht, dass mehr als 50% strikt dagegen sind. Und außerdem wird Orbán das Volk ja sowieso nicht fragen, soviel ist klar geworden aus seinem kindischen Schlagabtausch mit Gyurcsány im Parlament. 42% der Bevölkerung sehen noch keine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, trotz der vielen neuen Gesetze. Wir sind gespannt auf's nächste Jahr und natürlich auf die ungarische Ratspräsidentschaft! Frohes Neues!

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