Mittwoch, 12. Januar 2011

Mainka erklärt die Welt

Der Chefredakteur der Budapester Zeitung, Jan Mainka, hat einen offenen Brief an die mitfühlenden bundesdeutschen Journalisten verfasst. Da ich den Pester Lloyd vorziehe, bin ich erst durch Hungarian Voice darauf aufmerksam gemacht geworden. Ich finde den Brief wirklich gut, vielen Dank, Herr Mainka! Für alle, die den Brief noch nicht gelesen haben, hier der Link.

Mainka bedankt sich artig bei allen relevanten Medien für ihre Berichterstattung und dafür, dass sie die Ungarn und ihn auf Dinge hinzuweisen, die ihnen bisher entgangen sind. Und dann noch die eigenen konstruktiven Vorschläge, von wegen Lichterketten um ungarische Einrichtungen in Deutschland. Super Idee! Aber bitte das Restaurant "Budapest" in der Darmstädter Heimstättensiedlung nicht vergessen. Und die Idee mit dem kollektiven Toilettengang während der Rede des Premierministers - die Idee ist so gut, darauf hätte eigentlich auch Orbán während Gyurcsánys Regierungszeit kommen können, oder? Und auch die Bitte um Mäßigung ist verständlich. Man sollte sich die schwere Keule für den Tag aufheben, an dem die neue Verfassung in Kraft tritt, nicht wahr? So wie beim Mediengesetz erst dann losschlagen, wenn das Kind schon im Brunnen ist.

Nach so viel Danksagung und freundlichen Ratschlägen werden sich die deutschen Medien dann in Zukunft sicherlich lieber von Mainka und vom so prominent über dem Brief abgebildeten barikád füttern lassen als von falschen Freunden und nicht mehr maßgeblichen Intellektuellen wie z.B. Frau Heller. Die ist doch sicherlich auch gemeint, die ist doch nicht mehr maßgeblich, oder?

Nur Mainkas Zweifel daran, ob Deutschland die ungarische Hilfsbereitschaft wirklich will, die verstehe ich nicht. Es wäre doch für alle Seiten von Vorteil, die Presse- und Meinungsfreiheit überall zu sichern, am Weisswurstäquator wie am Salamigürtel? Und ist es nicht völlig egal, ob Jobbik für oder gegen das Mediengesetz ist? Sollte es nicht immer und überall völlig irrelevant sein, was die Rechtsradikalen wollen oder nicht wollen? Aber falls es doch wichtig sein sollte, finde ich es gemein, dass Mainka die Deutschen raten lässt. Mmm... vielleicht, weil man mit dem Mediengesetz auch rechte Propaganda stoppen könnte? Gar nicht so schwer, diese Antwort. Und deshalb sollen die Linken nicht mehr dagegen sein? Verstehe ich nicht.

Ich verstehe auch nicht, was an der Horthy-Keule so schlimm ist. War Horthy denn kein ehrenwerter Mensch, der für sein Volk nur das Beste wollte und auch alleine ganz genau wusste, was das Beste ist? Und der deshalb richtigerweise dafür sorgte, dass die nicht mehr maßgeblichen Intellektuellen nichts mehr zu sagen hatten? Passt doch, oder?

Und schon wieder auf das Scheckbuch der armen Deutschen anzuspielen, pfui! Das musst nicht sein, auch ohne diesen Zaunpfahl sieht doch jeder deutsche Manager sofort ein: lieber einen lupenreinen Demokraten, der Autos mag und gut für's Geschäft ist, als einen Sozialisten, der das Geld nicht beisammenhalten kann. Ich bin mir allerdings gar nicht so sicher, ob Bajnai nun wirklich ein Sozialist ist, und mit dem Geld schien er eigentlich auch ganz gut umgehen zu können. Haben sogar die Europäer gesagt. Besser jedenfalls als Matolcsy und Orbán, will mir scheinen. Aber was weiss ich schon, ich bin auch nur einer der dummen Deutschen, die von der ungarischen linken Presse an der Nase herumgeführt werden. Gut, dass wir Mainka haben!


P.S. in eigener Sache: Inzwischen weiss ich, wie die Sicherheitseinstellungen zu handhaben sind, und Kommentierung ist inzwischen auch für Leute ohne google-Account möglich. Nur falls es jemandem in den Fingern jucken sollte...

Kommentare:

  1. Vielleicht ist dieser Link zum Thema noch erhellend. Herr Jan Mainka, Herausgeber der "Budapester Zeitung" als Gastautor bei "Junge Freiheit", dem Blatt "das als Scharnier zwischen Neuer Rechten und rEchtsextremismus" gilt, http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M55f390879e4.0.html

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  2. Danke, der Link ist wirklich erhellend. Etwas kurz gefasst und einfach gestrickt dieser Gastbeitrag, aber wahrscheinlich eben auf die Leser der Jungen Freiheit zugeschnitten. Dafür sind die Kommentare unter Mainkas Einwurf noch viel aussagekräftiger.

    Dass es den ersten Entwurf des Mediengesetzes schon vor Monaten gab, ist vermutlich egal. Und sicher ist Ungarisch nicht die erste Fremdsprache an den meisten Schulen in Europa. Aber es gibt mehr als genug Auslandsungarn und Ausländer mit Ungarischkenntnissen, um die Quintessenz eines Gesetzes zügig in Fremdsprachen unter die Interessierten bringen zu können. Das Gleiche gilt ja auch für andere Nachrichten und gewisse Aussagen der Regierungsgrößen. Kósa Lajos kann davon ein Lied singen.

    Dieses wiederkehrende Argument, von wegen "nicht im Original gelesen, buaahhaa, keine Ahnung!" geht ziemlich auf die Nerven. Wenn die OECD den Text prüft und kritisch bewertet, dann kann ich das glauben, ohne die gleiche Prüfung machen zu müssen, die ohnehin eher etwas für echte Juristen ist. Man sollte andersherum aber vielleicht nicht jeder Schreiberling-Klitsche Glauben schenken, die ein Käseblatt für deutsche Expats in Budapest herausbringt und die normalerweise kein Schwein kennt.

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  3. also das geseihere, daß keiner ungarisch versteh, geht auch mir auf den wecker, und die ständige betonung, daß wir alle trotteln sind. am lustigsten war ja die beschuldigung der übersetzer, sie hätten passagen bei der übersetzung des mediengesetzes ausgelassen. das verbitte ich mir als übersetzer, der mit übersetzen seinen lebensunterhalt bestreitet.

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