Freitag, 25. März 2011

2011-12: Namen sind Schall und Rauch

Ich fasse mich kurz, da ich gerade jenseits der Landesgrenzen in der malerischen Unesco-Kulturerbestadt Český Krumlov weile. Deshalb gibt es viele Themen, die ich heute nicht streife sondern für's nächste Mal aufheben muss.

Das Sowjetdenkmal auf dem Freiheitsplatz soll nach Möglichkeit versetzt werden. Das ist keine Neuigkeit, da diese Idee immer mal wieder herumgeistert. Schließlich steht das Denkmal genau dort, wo früher einmal die Erde aus allen Ecken des Landes aufgehäuft und dann eine rot-weiß-grüne Flagge reingesteckt wurde. Sehr symbolträchtig eben. Aber man kann das Denkmal nicht einfach versetzen, da haben die Russen offensichtlich aufgrund eines bilateralen Vertrages ein Wort mitzureden. Außerdem sollte ruhig an einem zentralen Platz darauf hingewiesen werden, dass Ungarn im 2. Weltkrieg auf der falschen Seite stand, es wird ja sonst oft genug verschwiegen und verfälscht.

Neu ist allerdings die Idee, den Szabadság tér in Roosevelt tér umzubenennen, da hier ja die amerikanische Botschaft steht. Und der Roosevelt tér soll dafür dann Széchenyi tér heissen, schließlich ist hier auch die Széchenyi Brücke, und sein Denkmal steht hier sowieso. Erinnert mich irgendwie an "Mein rechter, rechter Platz ist frei!" Warum so kompliziert, warum den Szabadság tér nicht einfach Elvis tér nennen? Ja, der ist ja jetzt schon vergeben, aber es gibt ja noch genug andere Amerikaner, zu denen wir aufschauen. Michael Jackson tér. Und den Hess András tér oben in der Burg benennen wir um in Paris Hilton tér. Das wunderhübsche Hotel, das sie eines Tages erben wird, steht da ja schon.

Aber Spaß bei Seite: Diese Umbenennungen kann man nicht einfach so durchziehen. Es gibt Komitees, von denen man noch nie gehört hat, die bei solchen Dingen ein Wort mitzureden haben. Zum Beispiel das Komitee zur Bestimmung von geografischen Namen und Bezeichnungen. Wenn, nur mal so als Beispiel, ein internationaler Flughafen umbenannt werden soll, dann muss dieses Komitee darüber mitentscheiden. Und die 21 Mitglieder dieses Komitees, Linguisten und Geografen, haben 20 zu 1 beschlossen, dass der Name "Ferihegy" in irgendeiner Form im zukünftigen Namen des Budapester Flughafens erhalten bleiben soll. Ist ja auch sinnvoll, es wird sowieso weiterhin jeder Ferihegy sagen und kein Schwein Liszt Ferenc. Und Franz ist Franz, ob man jetzt Ferihegy auf Mayerffy Ferenc oder Liszt Ferenc bezieht, was soll's.
Naja, König viktor sieht das anders. Mittlerweile haben alle Mitglieder des Komitees ihre Funktion verloren, innerhalb von zwei Wochen wird das Komitee neu besetzt werden. Einige der Mitglieder haben zusätzlich noch ihre normalen Hauptjobs in Ministerien verloren. Es hatte ihnen einfach keiner gesagt, dass sie gefälligst keine eigene Meinung zu haben haben sondern sich an der Parteilinie orientieren müssen. Ist doch nicht so schwer zu kapieren, war doch unter Kádár genauso!

Die Parteilinie ist allerdings nicht immer so klar zu identifizieren. In Sachen Lybien widersprechen sich führende Fidesz-Politiker zum Beispiel gegenseitig. Mal sagt Martonyi, dass man die UN-Resolution voll unterstützt, mal sagt Orbán, dass das christliche Europa nichts im islamischen Nordafrika zu suchen habe. Was denn nun? Manchmal ist es gut, wenn man erst nachdenkt und dann den Mund aufmacht.

Für Lázár János wäre es auch besser gewesen, hätte er diesen Ratschlag berücksichtigt. Aber leider hat er den Mund so weit aufgemacht, dass Orbáns Terrier jetzt gerade die Zähne gezogen werden. Er merkt jetzt wie es ist, wenn jemand einen Tonbandmitschnitt veröffentlicht und Zitate aus dem Zusammenhang reisst. Lázár hat nicht von morgens bis abends gelogen, aber er hat Menschen, die nichts aus ihrem Leben machen, als wertlos bezeichnet. Das allerdings bereits während einer Stadtratssitzung von Hódmezővásárhely im Jahre 2008.
Lázár hat nun angekündigt, in 2014 nicht wieder als Bürgermeisterkandidat antreten zu wollen. Natürlich haben sich schon Kritiker gefunden, die sich fragen: Warum bis 2014 warten? Fast gleichzeitig hat Gulyás Gergely angekündigt, dass Fidesz jetzt generell wieder gesetzlich verbieten will, dass man Bürgermeister und Parlamentsabgeordneter gleichzeitig sein kann. Das wurde von einstmals von Horn Gyula abgeschafft, weil es zu viele Bürgermeister in seiner MSZP-SZDSZ-Koalition gab, die auch ins Parlament gewählt worden waren. Aber diese Gesetzesänderung soll natürlich auch erst 2014 in Kraft treten, denn Fidesz hat auch einige Ämterhäuferer vorzuweisen.


Was ich persönlich bedenklich finde: Die Geschichte wurde von kuruc.info ans Licht gebracht. So löblich das ist, fragt man sich doch: Warum wird jetzt ein Band von 2008 veröffentlicht, und warum bei kuruc.info? Und warum haben alle anderen Medien die Nachrichten von kuruc.info übernommen? Wer liest denn dieses rassistische, widerliche Portal überhaupt? Offensichtlich jeder. Seltsam.

1 Kommentar:

  1. ach der kuruc... der bekannteste far-right portal des landes, natürlich in den USA gehostet und trotz mehrfachen versuchen wegen der dortigen gesetzeslage ungreifbar (wikipedia).
    Nach meinem Verständniß ist es ein Ziel des neuen super-Mediengesetzes, diesen und ähnlichen portalen das Leben zu erschweren - wie auch immer dies möglich sein soll.

    Ich hoffe es gibt noch irgendeinen rest an Namenskomitees, der eine verschiebung eines Platzes als 'Schwachsinnn' entpuppt. Ach was, dann wird`s halt in Orbánfreiheit tér, problem solved.

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