Donnerstag, 31. März 2011

Malen nach Zahlen - Antisemitismus

Antisemitismus ist in Ungarn salonfähig. Da darf empört aufschreien wer will, es ist ein Fakt. Es sind nicht nur die dumpfen Rechten, die gegen Juden hetzen, es sind auch MSZP-Wähler, die abfällige Judenwitze reissen oder Menschen nach ihrer Religion oder ihrer Abstammung beurteilen. Da ist es keine Überraschung, dass die Studie "Die Abwertung des Anderen." der Friedrich-Ebert-Stufe die folgenden Befragungsergebnisse erbracht hat:


In Ungarn ist die Verschwörungstheorie weit verbreitet, dass der Staat Israel in Ungarn Grund und Boden aufkauft, um eines Tages die gesamte Bevölkerung nach Ungarn umzusiedeln, weil es ihnen im heiligen Land zu gefährlich geworden ist. Klingt völlig durchgeknallt? Finde ich auch. Aber es gibt ganz normal erscheinende Menschen, die einem diesen Scheiß stundenlang ins Ohr labern können, ohne sich ihrer Dämlichkeit bewusst zu werden. Und kuruc.info, das widerliche rechte Portal, das gerade offensichtlich seinen Paria-Status verloren hat, nachdem es die Tonbandaufnahmen von Lázár lanciert hat, haut immer heftig in die Kerbe rein.
Schauen wir doch mal. Wieviele Israelis gibt es eigentlich in Ungarn? Nicht Touristen, sondern Sesshafte?


Das ist ziemlich eindeutig. In Budapest gibt es gerade mal knapp 800 Israelis, im Rest des Landes kann man sie lange suchen. Und wieviele haben sich einbürgern lassen? Denn das soll ja das Endziel sein. Antwort: In 2009 haben genau 5 Israelis die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen, zwei in Budapest, drei im Komitat Pest. Masseneinwanderung sieht anders aus.

Warum sollte überhaupt Ungarn das Ziel eines solches Exodus sein? Was macht dieses Land denn besonders? Sicherlich nicht die engen Wirtschaftsbeziehungen zu Israel. Israel liegt auf Platz 40 der Importpartner Ungarns und auf Platz 35 bezüglich Export. Umgekehrt liegt Ungarn unter den israelischen Exportpartnern auf Platz 41, bei den Importpartnern lediglich auf Platz 44. Siehe die folgenden beiden Abbildungen.

Außenhandel Ungarn:

Außenhandel Israel:


Ungarn importiert vor allem Produkte der Chemieindustrie. TEVA ist ein wichtiger Arbeitgeber im Pharmabereich, vielleicht ist dies ein Grund für die Importe und Exporte in diesem Sektor. Weiterhin ist der Maschinenbau stark vertreten, sowohl im Import and auch im Export. Und dann werden noch Fahrzeuge im Wert von 3 Mio. € exportiert. Vielleicht Audis, vielleicht Suzukis, vielleicht gepanzerte Truppentransporter von Rába. Alles in allem jedoch keine überwältigender Außenhandel mit Israel.

Warum also sollte es gerade Ungarn sein? Paprika? Sonnenschein? Wahrscheinlich eher, weil Ungarn für alle einheimischen rechten Kleingeister der Nabel der Welt ist. Für sie stellt sich eine solche Frage gar nicht erst, natürlich ist die pannonische Tiefebene der begehrteste Flecken Land auf diesem Planeten, und den gilt es zu verteidigen vor allen eingebildeten Feinden der Nation. Viel Erfolg!

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