Mittwoch, 23. März 2011

Malen nach Zahlen - Sexismus

Betrachten wir einen anderen Themenblock aus der Studie "Die Abwertung des Anderen" der Friedrich-Ebert-Stiftung: Sexismus. Dazu gab es weniger "Items", aber auch bei diesen beiden Fragen zeigt Ungarn deutlich Flagge, hier gibt es die größte Zustimmung zu den zwei sexistischen Aussagen:


Das passt wunderbar zu den Aussagen von Szent Pál, der bei einem Vortrag in an der Pannonia Unversität in Veszprém von den Körpern der Mädchen als biologischem Kapital gesprochen hat (siehe Pusztaranger). Und auch in der neuen Fidesz-Verfassung wird die Familie als ungarischer Grundwert festgezurrt.

Wie schlimm ist es denn nun wirklich um die Familie bestellt, da die Frauen ihre gottbefohlenen Aufgaben offensichtlich schändlich vernachlässigen? Ein Blick auf die Eheschließungen in Ungarn zeigt tatsächlich, dass hier ein rückläufiger Trend vorliegt, vor allem heiraten die Frauen immer später.



Das aber ist ja kein typisch ungarischer Trend. Aber gut, ein Punkt für die Familienfreunde. Zu einer Ehe gehören allerdings immer zwei, also warum sollten nur die Frauen ihre Rolle ernster nehmen? Bei den Männer zeigt sich nämlich das gleiche Bild: Die Anzahl der jung verheirateten Männer hat stark abgenommen, vor allem die der Altersklasse 20-24. Und insgesamt ist der Anteil der älteren Bräutigame höher, in allen Altersklassen ab 40 Jahren wir fleißig geehelicht, oft vermutlich nicht zum ersten Mal. Aber das wäre jetzt wieder eine andere Statistik...


Zu einer ordentlichen Familie gehören natürlich Kinder, möglichst viele (es sei denn, es geht um Roma, da sollten es nach Vona Gábor natürlich möglichst wenige sein). Die Familienverhältnisse mit Kindern gestalten sich folgendermaßen:


Sprich, 70% - 80% der Kinder wachsen in "geordneten Verhältnissen" auf. Man kann zwar sagen, dass das Modell der Großfamilie mit 10 Kindern ausgedient hat, zumindest im Durchschnitt, aber bei der chinesischen Ein-Kind-Familie ist Ungarn auch noch nicht angekommen.
20% - 30% der Kinder wachsen also bei Alleinerziehenden auf. Laut KSH sind diese Alleinerziehenden zu weit über 80% die Mütter und nicht die stolzen Väter. Sie erziehen dabei im Durchschnitt weniger Kinder als die Heile-Welt-Familien:



Kommen wir zum zweiten "Item". Wie steht es denn überhaupt um die Geschlechterverteilung in Beschäftigung und in Arbeitslosigkeit? Hier eine Übersicht der Arbeitslosenquoten in der Europäischen Union. Es ist kein Vergleich der Prozentsätze, sondern ein Vergleich der Relation zwischen Arbeitslosenquote für Männlein und Weiblein in den einzelnen Ländern.

Wie man sieht, gibt es in Ungarn mehr arbeitslose Männer als Frauen. Wenn man aber das Verhältnis zwischen Mann und Frau bei der Beschäftigungsquote betrachtet, ergibt sich folgendes Bild:


In Ungarn gibt es also mehr Männer in Beschäftigung als Frauen. "Hausfrau" oder "Mutter" zählt dabei nicht als Beschäftigung. Sprich, es gibt weniger arbeitslose Frauen, aber auch generell weniger Frauen, die arbeiten. In beiden Fällen liegt Ungarn im Mittelfeld, die Zahlen sind nicht besonders aufregend. Woher kommt also in diesem Fall die sexistische Einstellung, dass Frauen auf den Job verzichten sollten? Im Verhältnis der Geschlechter in Beschäftigung schlägt sich diese Einstellung jedenfalls nicht nieder. Vielleicht im Gehaltsverhältnis, vermutlich verdienen auch in Ungarn die Frauen weniger als die Männer. Aber das ist wieder eine andere Statistik und soll ein anderes Mal betrachtet werden...

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