Donnerstag, 19. Januar 2012

Hadd szóljon!

Da habe ich gerade meine Pause beendet und unterbreche schon wieder? Ja, ich bitte um Entschuldigung. Aber ich bin gerade auf Deutschlandreise, darum kann ich nicht täglich ein ungarisches Foto einstellen...

Wenn ich hier im Autoradio die Nachrichten höre, die zwei Minuten lang nur die Schelte der Opposition aufbereiten, die Rößler für seinen Wirtschaftsbericht erhalten hat, dann erscheint mir die Situation in Ungarn völlig surreal. Aber es ist ein Fakt, dass Orbán gestern im EU-Parlament  den Schwanz eingekniffen hat und heute zur Kompensation seines verletzten Egos seine Schergen ein umfassendes Demonstrationsverbot in der Hauptstadt erlassen lässt. Natürlich nennt man es nicht beim Wort. Aber wie sonst soll man die prophylaktische Reservierung aller Plätze und Straßen für die nächsten zwei Jahre im Voraus nennen? Der Wolf hält den Schafspelz nicht mehr für notwendig.

Und dann gibt es naive "Experten", die in einer Diskussionsrunde in SWR-2 doch tatsächlich monieren, dass die EU immer nur der Regierung gegenüber mit der Kreditverweigerung droht, die Bevölkerung aber nicht mitnimmt. Warum seien denn keine EU-Politiker im ungarischen Fernsehen zu sehen, die dort die europäische Position erklären? Ja, das ist eine gute Frage. Aber die muss man vielleicht weniger den EU-Politikern stellen als den ungarischen Medienarbeitern, die entweder unter Selbstzensur arbeiten oder direkte Befehle von oben erhalten, jede Kritik langsam aber sicher auszublenden.

Umso wichtiger wird die Demonstration am Wochenende, und ich ärgere mich, dass ich nicht dabei sein kann. Sonntag, 15:00 Uhr, Ecke Hold / Báthory utca. Wer seine Unterstützung für den letzten freien Radiosender des Landes  - Klubrádió - zeigen will, geht demonstrieren! Hadd szóljon! Und natürlich: Éljen a köztársaság!


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