Montag, 2. April 2012

2012.04.02. - Szent Pál vereint die Nation

Drei quälende Monate hat es gedauert, bis Szent Pál endlich eingesehen hat: Es geht nicht weiter. Aber natürlich nicht deshalb, weil er es verbockt hat. Paulchen wäscht seine Hände in Unschuld. Es hat ihm schließlich keiner gesagt, dass man bei einer Doktorarbeit nicht abschreiben darf. Ganz unbedarft erzählt er, wie der Doktorvater ihm die Feder geführt habe. Wahrscheinlich wusste Orbán davon, und deshalb war Schmitt für ihn der ideale Kandidat, bereits daran gewöhnt, dass andere für ihn schreiben. Außerdem ist es in China zum Beispiel ein Zeichen der Anerkennung, wenn man andere kopiert. Passt auch wunderbar in die Marschroute Orbáns, dieses interkulturelle Verständnis, das Schmitt da zeigt.

Aber was soll eigentlich dieses ganze Theater, die Sache ist doch zwanzig Jahre her! Diese ollen Kamellen aufzuwärmen schadet dem Land viel mehr als Schmitt. Sagt Tarlós. Es sind diese miesen investigativen Journalisten, die Gift sind für dieses Land. Das Mediengesetz ist noch viel zu milde. Der Quellenschutz sollte komplett aufgehoben werden, damit diese Zecken vom HVG endlich verraten, wer Schmitt verraten hat. Da hat Heti Válasz wenigstens bewiesen, dass sie kein Rückgrat haben. Und überhaupt, wie kommt die Semmelweiß-Uni dazu, ihm den Doktortitel abzuerkennen! Da wäre doch mindestens ein normales Gericht zuständig, wenn nicht sogar ein Verfassungsgericht. In jedem Fall aber einer der neuen Fidesz-Richter, damit auch alles mit rechten Dingen zugeht.

Tja, jetzt ist es zu spät dafür. Und so tritt Schmitt mit sinnlosen Worten ab. Er wolle das Land nicht spalten. Hallo? Paulchen, kapierst du nicht, dass das Land zum ersten Mal seit langer Zeit einer Meinung ist? Alle ziehen an einem Strang, weder Jobbik noch LMP noch MSZP noch DK noch Fidesz wollen dich noch im Sandor Palota sehen. Geh weg. Und lass doch bitte auch die Finger von Dienstwagen, Dienstwohnung und 1,5 Mio. Forint monatlich. Jetzt kannst Du wirklich mal zeigen, was für ein Mann zu bist: Wie wär's mit 47.000 Forint in Form von Guthaben auf deiner Erzsébet-Karte, mit der du dann im CBA Prima 30% mehr für Butter und Eier aufs Band legen darfst. Davon kann man gut leben und nebenbei sogar seinen PhD machen! Jeder ist seines Glückes Schmitt.

Und so hat das Land in einer Woche gleich zwei Präsidenten verloren. Der eine hat sich selbst demontiert, der andere wurde von willigen Bauarbeitern im Auftrag der Fidesz-Bezirksregierung abgeflext und zur Restauration ins Archiv geschickt, bevor er in Siófok am Strand wieder aufgestellt werden soll. Keiner hatte damit gerechnet, dass das so schnell gehen würde. Na sagen wir lieber: kein vernünftiger Mensch hatte damit gerechnet, aber nach dem nächtlichen Kahlschlag auf dem Kossúth tér war soetwas eigentlich zu erwarten gewesen. Im Klubrádió durfte ich zuhören, wie ein vorsitzender Jungchrist verzweifelt versuchte, die Demontage von Károlyi Mihaly vor Bolgár György zu rechtfertigen. Ihm fiel eigentlich nicht viel mehr ein als Trianon und noch mal Trianon, und noch die Räterepublik. Selbst wenn Károlyi es gut gemeint haben sollte, er sei ein schwacher Premier gewesen, und er verdiene kein Denkmal an einem solchen Platz. Soso, schauen wir mal... Béla IV? War zu blöd, die Mongolen aufzuhalten. Und so einen nennt man den zweiten Landesgründer. Nagy Lajos? Zu blöd, einen Sohn zu zeugen und dafür zu sorgen, dass seine Dynastie vernünftig fortgeführt wird. Dózsa György? Erfolgloser Revolutionär und well done gegrillt. Rákóczi Ferenc? Zu blöd, die Ösis zu besiegen. Batthyány? Hat einfach die Macht an die Habsburger aus der Hand gegeben. Petőfi? Zu blöd zum kämpfen. Kossúth? Zu schwach, die Revolution zum Erfolg zu führen, und hat sich ins Exil abgesetzt. Solche Verlierer sollten ganz im Sinne von Jobbik und (!) der Regierung in diesem Land keine Denkmäler erhalten, oder?

Warum hat Varga Imre dem armen Károlyi nicht einfach einen Turul auf die Schulter gesetzt. Dann könnte er jetzt noch dort stehen, so wie der illegale Turul in Pest, der seltsamerweise bis heute nicht beseitigt wurde, nur weil der dämliche Juhász Oszkár und seine dummen Freunde dagegen sind. Dämlich ist er deshalb, weil er jetzt kein Denkmal mehr hat, das man so leicht schänden kann. Jetzt suchen sich Jobbik und die Garda neue Entfaltungsmöglichkeiten in Jászjákóhalma oder Kónyar. Die neuen Mitglieder durfte die Garda ja sogar auf dem Heldenplatz vereidigen. Solange man das im Sitzen oder Knien macht, ist das alles rechtens, sagt sie Polizei. Dass man dabei Demonstranten anpöbelt und ihnen verspricht, sie in Waggons zu deportieren, hat leider wohl gerade kein Polizist mitbekommen.

Am 15. März hat es mich sehr irritiert, was die Leute neben mir an der Doppelabsperrung den braunen Stiernacken zugebrüllt haben: "Nazik haza!" Nazis nach hause! Dabei ist doch gerade das das Problem: Die sind hier zuhause! Und dürfen sogar kurzfristig da demonstrieren, wo Milla nur mit gerichtlicher Hilfe hindurfte. Weiterhin keine guten Aussichten. Ist es da ein Wunder, wenn die Leute auswandern? Und da hat Kárpát Dániel von Jobbik doch tatsächlich den Nerv, die Regierung aufzufordern, die Gründe für die Auswanderungswelle zu finden und den Fluss zu stoppen. Angeblich sollen bis 2020 150.000 Ungarn nach Deutschland auswandern. Ja lieber Dániel, was denn nun? Erst wollt ihr die Leute per Eisenbahnwaggon verschiffen, und dann wollt ihr sie doch nicht loswerden? Was meinst du, wieviele dieser 150.000 wohl Roma, Juden und/oder Liberale sein werden? Am Ende wird es im menschenleeren Ungarn zum Show-down zwischen den aufrechten KDNP-Christen und den tanzenden Jobbik-Schamanen kommen.

Ach ja, die aufrechten Christen. Gyurcsány hat die Kirchen aufgefordert, auf ihre Steuerprivilegien zu verzichten. Und die katholische Kirche soll doch bitte die Missbrauchsfälle der letzten Jahre untersuchen und aufdecken, und dazu auch gleich noch alle ihre Verstrickungen im Sozialismus. Eigentlich ganz vernünftige Forderungen. Wäre eigentlich was für's letzte MSZP-Wahlkampfprogramm gewesen, war damals aber vielleicht nicht so populär. Jetzt müsste die Kirche eigentlich die andere Wange hinhalten oder sich entschuldigen und natürlich ein paar Alibi-Fälle offenlegen. Aber die KDNP sieht Gyurcsánys Vorstoß natürlich gleich als Kulturkampf. Es geht ja auch gar nicht darum, was gesagt wird, sondern nur, wer etwas sagt. Gyurcsány ist per KDNP-Definition der personifizierte Antichrist. Was für ein Zufall, dass ab jetzt nur solche Parteien staatliche Unterstützung erhalten sollen, die 2010 zur Wahl standen. Die DK gehörte nicht dazu. Ihre Parlamentsmiglieder wurden zwar alle gewählt, aber eben nicht als DK sondern als Mitglieder der MSZP. Warum erhält die KDNP eigentlich staatliche Unterstützung? Diese Partei stand doch auch nicht zur Wahl??

63% der Ungarn glauben, dass man in Ungarn ohne Beziehungen und Korruption nicht weiterkommt. Die Regierung würde diese Zahl gerne auf 50% reduzieren. Ich sage: Am weitesten kommt man, wenn man Orbán nützlich ist. Und wenn's mit der Nützlichkeit vorbei ist, fällt man tief. Schmitt Pál hat Glück gehabt, dass man ihn nicht im Nagelfass vom Sandor Palota aus in die Donau gerollt hat. Das Privileg hebt sich Orbán vermutlich für Semjén auf, der wird diese christliche Opferrolle rückwärts auch viel besser zu würdigen wissen.

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